Wie kommt es zu Non-24?

Die innere Uhr

Frank, 40 Jahre: „Selbst wenn ich jeden Tag zur selben Zeit schlafen gehe, wache ich wenige Stunden  später wieder auf. Amnächsten Tag signalisiert mir mein Körper dann, dass ich dringend schlafen muss. Meine  Leistungsfähigkeit ist  somit gleich null.“

Jeder Mensch besitzt eine innere Uhr, einen Mechanismus, der die eigene Zeitwahrnehmung steuert. Bei den meisten Personen „tickt“ diese innere Uhr nur in einem ungefähren 24-Stunden-Rhythmus, oftmals ist der „innere Tag“ etwas länger als der „Umgebungstag“.
Diese Verschiebung kann wenige Minuten betragen oder auch größere Zeitabweichungen beinhalten. Fehlt Menschen die komplette Lichtwahrnehmung, sind sie also völlig blind, dann unterbleibt auch das Signal an das Gehirn, die eigene innere Uhr auf 24,0 Stunden zu korrigieren. Demnach erfolgt auch keine Anpassung an den „normalen“ 24-Stunden-Tag. Dieser Vorgang wird auch als „Synchronisierung“ bezeichnet. Infolgedessen läuft die innere Uhr in ihrem eigenen Rhythmus weiter. Durch weitere tägliche Verschiebung der Zeiten summieren sich die zunächst geringen Zeitabweichungen sehr schnell und es kommt zu massiven Störungen des Schlaf-Wach-Rhythmus. Wenn der Zyklus der inneren Uhr zum Beispiel zu Beginn eine Länge von 24,5 Stunden aufweist, dann beträgt der Unterschied am nächsten Tag eine halbe Stunde gegenüber dem Umgebungstag. Pro Tag addiert sich diese halbe Stunde dann auf und innerhalb kürzester Zeit wird der natürlicher Schlaf-Wach-Rhythmus komplett auf den Kopf gestellt, solange, bis in der schlimmsten Phase für die Betroffenen am Tag gefühlt Nacht ist und umgekehrt. Die Produktion des Schlafhormons (Melatonin) und des Wachhormons (Cortisol) findet somit zu immer anderen Tageszeiten statt. Der Schlaf-Wach-Rhythmus ist aus dem Takt geraten. Bei manchen Menschen dauert ein kompletter Zyklus eineinhalb Monate, andere brauchen mehrere Monate, bis ihr natürlicher Schlaf-Wach-Rhythmus wieder kurzzeitig mit dem 24-Stunden-Tag übereinstimmt, bevor das Spiel wieder von vorne beginnt.

Das Tageslicht als Zeitgeber

Das Auge besitzt zwei Funktionen: Es ermöglicht das Sehen und nimmt Licht aus der Umgebung auf. Dieses Tageslicht wird benötigt, um dem Gehirn die Tageszeit zu signalisieren. Bei sehenden Menschen wird durch die Aufnahme des Lichts und dessen Weiterleitung an das Gehirn die innere Uhr jeden Tag auf 24,0 Stunden zurückgesetzt – ähnlich dem Stellen einer Uhr mit Zeigern. Somit entspricht die Länge des „inneren Tages“, bedingt durch die innere Uhr, wieder genau dem Umgebungstag. Auf diese Weise stellt der Körper permanent sicher, dass sein natürlicher Rhythmus mit dem normalen Tag-Nacht-Zyklus übereinstimmt: Gewährleistung von Wachheit und Konzentration am Tag und gesundem Schlaf in der Nacht.

Die tagesrhythmischen Zyklen werden auch zirkadiane Zyklen genannt und sorgen für ein Gleichgewicht der täglichen Aktivitäten im 24-Stunden-Rhythmus. Die beiden Hormone Melatonin und Cortisol regeln Schlaf- und Aufwachverhalten und nehmen damit Einfluss auf viele wichtige Körperfunktionen, wie den Stoffwechsel oder das Hungergefühl.

Im nächsten Abschnitt wird der Zusammenhang von Blindheit und Non-24 näher beleuchtet.

Ein Mann hällt sich die Augen zu