Wer ist von Non-24 betroffen?

Blindheit und Non-24

Sabine, 61 Jahre: „Ich habe mein Sehvermögen Stück für Stück verloren. Nach drei Jahren war ich völlig erblindet. Erste Symptome von Non-24 machten sich schon kurz nach dem Verlust der Lichtwahrnehmung bemerkbar.“

Non-24 betrifft fast ausschließlich völlig blinde Menschen. Bei diesen Menschen unterbleibt das Signal an das Gehirn zur Zurückstellung der inneren Uhr: Diese läuft dann nach ihrem eigenen Zyklus. Das bedeutet, die Minuten addieren sich täglich solange auf, bis ihre zirkadianen (tagesrhythmischen) Zyklen genau gegensätzlich zum typischen 24-Stunden-Tag laufen. Das Tag-Nacht-Gefühl ist auf den Kopf gestellt. Ungefähr die Hälfte aller völlig blinden Menschen leiden unter Non-24. Die fehlende Lichtwahrnehmung ist die Entstehungsursache dieser Krankheit. Dabei ist es nicht relevant, wie alt die Betroffenen sind, zu welchem Zeitpunkt die Erblindung eingetreten ist oder welche Ursache ihr zugrunde liegt.1,2

Völlige Blindheit bedeutet die Unfähigkeit, Licht wahrnehmen zu können. Manche Menschen werden blind geboren, andere verlieren ihr Sehvermögen im Laufe ihres Lebens durch einen Unfall oder infolge einer Krankheit. Nicht immer stellt sich automatisch gleich eine komplette Blindheit ein, oftmals ist dies ein schleichender Prozess, der sich über Jahre oder auch mehrere Jahrzehnte hinzieht. Zum Beispiel tritt bei der Krankheit pigmentRetinitisosa eine völlige Erblindung erst 20 bis 40 Jahre nach Ausbruch der Krankheit ein, während beim angeborenen Glaukom und dem Offenwinkelglaukom bis zu 60 Jahre vergehen können, bis keine Lichtwahrnehmung mehr stattfindet. Auch die diabetische Retinopathie kann erst nach 40 bis 60 Jahren zu einer völligen Blindheit führen.

Die Lichtwahrnehmung ist der stärkste Zeitgeber, wenn es darum geht, die innere Uhr dem 24-Stunden-Umgebungstag anzupassen. Das Licht aus der Umgebung signalisiert dem Gehirn die jeweilige Tageszeit und versucht damit, einen konstanten Schlaf-Wach-Rhythmus aufrechtzuerhalten. Bei sehenden Menschen wird die innere Uhr jeden Tag aufs Neue wieder auf 24,0 Stunden zurückkorrigiert, unabhängig davon, wie ihre natürliche innere Uhr „tickt“. Auf diese Weise stellt der Körper sicher, dass seine tagesrhythmischen Zyklen dem Umgebungstag entsprechen und die Freisetzung der Schlaf- und Wachhormone zu den richtigen Zeitpunkten erfolgt. Diese Hormone steuern dann wiederum wichtige Körperfunktionen wie die Verdauung oder den Stoffwechsel.
Bei völlig blinden Menschen bleiben diese Signale aus. Der sich kontinuierlich verschiebende gefühlte Tag-Nacht-Rhythmus führt nicht nur zu konkreten, im Alltag auftretenden Symptomen, sondern kann auch weitere gesundheitliche Auswirkungen zur Folge haben.

Im folgenden Abschnitt erfahren Sie mehr zu den Symptomen von Non-24 und Sie können diese mit Ihren eigenen Einschränkungen vergleichen.


1 Lockley SW et al. Visual impairment and circadian rhythm disorders. Dialogues Clin Neurosci 2007;9:301–314.
2 Uchiyama M & Lockley SW. Non-24-hour sleep-wake rhythm disorder in sighted and blind patients. Sleep Med Clin 2015;10:495–516.